"DIE GESCHICHTE WIE DER SPECHT
DEM MENSCHEN DIE INDIANERFLOETE BRACHTE"

Es wird erzählt, dass vor langer Zeit, ein junger Mann, im tiefen Wald allein unterwegs, einen Specht beobachtete wie der in einem Ast einer Zeder, Löcher hämmerte, Als der Specht den jungen Mann bemerkte schaute er zu ihm runter und unterbrach seine Arbeit, Nun war es ganz still im Wald und der Moment schien ewig. Da bließ ein leichter Wind durch die Bäume und aus dem holen Zedern Ast mit den Spechtlöchern ertönte eine wundervolle Melodie die tief das Herz und die Seele des verwunderten Mannes berührte. Der Specht aber flog mit lachenden Rufen davon dabei viel der Ast zu Boden. Der Mann lief zu der Stelle und nahm den Ast auf, er schaute und probierte, hielt den Ast in den Wind, blies hinein aber nichts passierte. Enttäuscht ging der Mann zurück ins Lager, auf dem Weg dorthin probierte er immer wieder den Ast erklingen zu lassen aber nichts passierte. Die Melodien liessen ihn aber nicht mehr los und er träumte immer wieder davon. So ging er schließlich zum alten weisen Mann des Dorfes und erzählte seine Geschichte. Der riet ihm für vier Tage in den Wald zu gehen um eine Vision zu erfragen.
Nun - dies tat der junge Mann dann auch, er machte mit dem alten Mann ein reinigendes Schwitzbad und ging für vier Tage und Nächte in den Wald. So wie viele vor ihm fastete er und betete zu den Bäumen und Alles was ist. In der vierten Nacht war er sehr schwach, traurig und müde, als dann ein Specht mit lautem lachenden Rufen zu ihm geflogen kam und sich vor seine Augen in einen Mann in Spechtfedern verwandelte. Der sprach zu ihm und lehrte ihm bis zum Morgengrauen wie er aus Zedernholz eine Seelenflöte machen kann.


Nun wieder daheim baute er in den nächsten Tagen, so wie der Spechtmann ihm geraten, die erste Zedernflöte. Als er fertig war räucherte er sein Werk mit dem Rauch von Süßgras, Salbei und Zeder, ging in den Wald und blies ganz leicht hinein. Die wundervollen Klänge und Melodien erfüllten den nun stillen Wald und es war als lauschten Bäume, Hirsche und Vögel seinem Spiel. Von da an kann ein Mensch seine Gefühle ohne Worte und mit reinem Herzen in die Welt spielen und eins sein mit Allem was ist.


" Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und
worüber zu schweigen unmöglich ist "
Victor Hugo


 
 

"DIE GESCHICHTE VON DEN ELCH-MÄNNERN, DIE EINEM JUNGEN MANN HALFEN DAS HERZ EINES MÄDCHENS ZU GEWINNEN"

Vor langer Zeit lebte ein junger Mann, der sehr schüchtern war. Er war tapfer in der Schlacht und führte die Büffeljagd mutig an, aber wenn es darum ging, daß er dem Mädchen, das er liebte und das er heiraten wollte, von seiner Liebe erzählen sollte, so war er zu schüchtern dazu. Während andere Männer mit ihren Werbegeschenken vor dem Tipi des Mädchens´ Vater standen, konnte er nur hilflos und mit zu Boden gesenkten Augen da stehen. Tag und Nacht dachte der junge Mann an das Mädchen. In seinen Träumen stand sie vor ihm, aber sogar dann konnte er nicht den Mut fassen, um ihr von seiner Liebe zu erzählen. Er beobachtete sie aus der Ferne, wenn sie Wasser vom Fluß holte, und sein Herz war schwer wenn er sah, wie andere junge Männer mit Leichtigkeit mit ihr sprachen. So war er sicher, dass das Mädchen keinerlei Notiz von ihm nahm.


Eines Tages verließ er wehen Herzens das Lager und wanderte einsam umher. Gedankenlos und voller Trauer nahm er seinen Bogen und schoß einen Pfeil in die Luft ab. Zu seinem Erstaunen blieb dieser hoch oben im Himmel und es schien ihm, als würde er auf etwas zeigen. Er folgte der Richtung, in die der Pfeil wies und merkte, daß er beim Gehen mit ihm Schritt hielt. So folgte er ihm den ganzen Tag, und als der Abend kam fiel der Pfeil vom Himmel und landete neben einem Bach.
Der junge Mann verbrachte die Nacht neben dem Fluß und schoß am Morgen erneut einen Pfeil in die Luft ab. Wieder blieb der Pfeil in der Luft und führte ihn weiter, um am Abend wieder neben einem Fluß vom Himmel zu fallen. So ging das ganze vier Tage lang.
Am Abend des vierten Tag begann der junge Mann am Rande eines Waldes einzuschlafen. In halbwachem Zustand, an der Grenze des Träumens, erschienen ihm zwei Elch-Männer und erzählten ihm, daß sie gekommen waren um ihm zu helfen. "Wir sind gekommen, um dir diese Flöte zu geben", sagte einer der beiden, und als er in die Flöte blies, die er bei sich trug, ertönte ein so schöner Klang, dass sogar der Wald atemlos stand um zu zuhören.

Der Elch-Mann sagte zu ihm: "Diese Flöte ist gefertigt aus Zedernholz, weil Zedern dort wachsen, wo die Winde blasen. Ein Specht hämmerte diese Grifflöcher mit seinem Schnabel in das Flötenrohr." Der andere Elch-Mann sagte zu ihm: "Alle Vögel und Tiere halfen dabei, diese Flöte zu machen, und ihre Stimmen singen mit in ihrem Klang. Wenn du diese Flöte also für das Mädchen spielst, das du liebst, so singen alle unsere Stimmen mit dir. Deine Musik wird die Worte der Liebe sprechen, die deine Stimme nicht zu sprechen vermag." Dann waren die Elch-Männer verschwunden und hinter ließen ihm, auf Salbeiblättern liegend, die Flöte. Leichten Herzens machte sich der junge Mann am nächsten Tag auf den Nachhauseweg. Während er ging spielte er die Flöte und die Kraniche stimmten mit ein in sein Lied. Vier Tage lang wanderte er und spielte seine Musik, während er den Stimmen und Geräuschen der Tiere und Vögel lauschte. Mit seiner Flöte imitierte er diese Klänge, und aus ihnen machte er dann Melodien.
Am Abend des vierten Tages erreichte er den Hügel, der über seinem Lager lag. Dort machte er eine Pause, um seine Flöte zu spielen, und der Klang der lieblichen Musik wurde ins Lager getragen und drang dort in das Herz jeder Frau.
Aber das Mädchen, das er liebte, wußte, daß die Musik direkt zu ihrem Herzen sprach. Sie verließ ihr Tipi und ging auf den Hügel zu dem jungen Mann. Dort lauschte sie den Worten in seiner Musik, die mehr ausdrückten, als es seine Stimme je vermocht hätte."